Dienstag, 18. Mai 2010

Ergänzungsbeitrag zum Tagebuch 28

Direkt nachdem ich den letzten Eintrag geschrieben habe, vor etwa sechs Stunden, bin ich mit Gili ins Auto gestiegen und nach Jerusalem gefahren.

Während der Fahrt dahin, und vor allem während der Fahrt zurück, durch die feuchte Nacht, habe ich an das gedacht, was ich geschrieben habe. Auf Einmal dachte ich mir, vielleicht habe ich einen Irrtum begangen, indem ich nur die Freunde aus der Nürnberger Horngruppe erwähnt habe. Das ganze Staatstheater, vom Personalbüro bis zu den Kantinenmitarbeitern, sogar mein alter irakischer Freund vom Hauptmarkt, sie alle haben mich mit offenen Armen in Nürnberg empfangen. Und was ist mit den ganzen Berliner Freunden? Mit M., bei der ich jedes Mal wohne, die für mich meine deutsche Familie ist? Was ist mit den ganzen Freunden aus der Nachbarschaft in Prenzlauer Berg, was ist mit A., die mich über so lange Strecken in meinem Leben in Berlin begleitet hat? Was ist mit meinen Lehrern und Kommilitonen aus der Uni? Wieso haben sie es nicht verdient, erwähnt zu werden?

Bevor ich die Antwort schreibe, die ich für mich gefunden habe, muss ich eine Feststellung machen. Ich lösche nie etwas, was ich in diesem Tagebuch schreibe. Diese Texte sind nicht nur dazu da, Euch davon zu berichten was ich so mache und sehe in Israel, oder um den Kontakt nach Deutschland zu erhalten. Sie sind auch dazu da um mir zu helfen, diesen krassen Wechsel in meinem Leben zu verarbeiten, zu verstehen. Deswegen wird nie was gelöscht oder verändert. Und jetzt zu meiner Antwort.

Es gibt in der Tat eine Sache, die meine Verbindung zu der Horngruppe in Nürnberg von all den anderen Verbindungen unterscheidet. Ich bin, wie Ihr alle wisst, Israeli. Ein großer Teil von mir wollte (und will immer noch) deutsch sein. Ich wurde die ganzen Jahre von einem Gefühl begleitet, von einem Wunsch, dazu zu gehören. Deswegen versuche ich immer wieder den Berliner Dialekt zu sprechen, obwohl es F. immer tierisch auf die Nerven geht und er es lächerlich findet. Deswegen saß ich im Frankenstadion und habe gesungen "FCN, come again, Sieg für Sieg, Tor für Tor…", deswegen hing eine Deutschlandfahne an meinem Roller während der 2006 WM. Aber in all den Freundschaften die ich in Deutschland hatte, war ich entweder Ofer, oder ein Israeli. Nicht dass ich wie einen Fremden behandelt wurde – um Gottes Willen. Ich wurde wie einen Freund behandelt, ja bei einigen wie ein Familienmitglied – aber ein Deutscher war ich nie, werde ich auch nie sein.

Es gab aber einen Ort, bei dem ich ein sehr starkes Zugehörigkeitsgefühl hatte – einmal dürft Ihr raten wo. Man darf nicht vergessen – mein erstes, offizielles Ziel in Deutschland war es, als ebenbürtigen Hornisten dort akzeptiert zu werden, und in eine Horngruppe aufgenommen zu werden. Dieses Gefühl hatte ich in keinem der Orchester, bei denen ich in Berlin gespielt habe. Bei den Nürnbergern aber, in diesen Momenten wo wir zusammen musizierten, wo wir zusammen Schnaps getrunken haben, Kicker gespielt haben, miteinander geredet haben, da war ich ein Teil einer deutschen Horngruppe, und war, ganz einfach, glücklich. Da habe ich dazu gehört. Als Freund und Kollege. Und dafür bin ich meinen Freunden aus dieser Gruppe sehr dankbar. Es ist auch kein Wunder dass der Ort, an dem mir der Wiedereintritt in die israelische Atmosphäre am schwierigsten fällt, die neue israelische Oper ist. Für mich ist Oper gleich Deutschland, darüber habe ich ja auch schon einiges geschrieben.

Eine lustige Geschichte will ich Euch zum Abschluss erzählen – heute, bei der Probe, wollte ich aufs Klo. Leider war die Tür zu, und man konnte nicht erkennen ob jemand drin war oder das Klo einfach zugesperrt war. Ich habe also zwei drei Mal geklopft, und nach kurzer Zeit öffnete ein Schlagzeugkollege die Tür. "Savlanut, Deutschland, savlanut!" Sagte er mit einem Lächeln. Savlanut heißt Geduld – aber Deutschland heißt Deutschland, also so heiße ich anscheinend bei einigen Kollegen. Wenn das Kein Beweis meines deutschen Daseins ist….

Ich habe mir mit diesem Eintrag einen Stein vom Herzen entfernt, sowie einen Besuch beim Psychologen gespart. Ich danke Euch dafür.

Gute Nacht aus Tel Aviv,

Euer Ofer

p.s. (ja ja, es geht weiter): Man müsste sich auch fragen, wieso ich meine Band nicht so erwähne als das deutscheste was ich in Eurem Land habe. Das Ding ist aber so – diese Band ist zusammengestellt von lauten Wahlberliner, die eigentlich so wie ich in einer Art ewigem Exil leben. Sogar der einzige Deutsche in der Band kommt aus dem Süden, und hat mit Berlin am meisten zu kämpfen als wir alle, die eigentlich Ausländer sind.

Montag, 17. Mai 2010

Israelisches Tagebuch 28

Die Flügel zitterten ein wenig, der Druck in meinen durch Erkältung verstopften Ohren wurde unerträglich, aus dem Fenster zeigte sich Tel Aviv, die Lichter umgeben von einer Aura die die schweißauslösende Luftfeuchtigkeit verriet. Meine 12 Zaubertage in Deutschland sind vorbei, jetzt erwartet mich meine liebende Frau und lange Proben für die vierte Sinfonie von Mahler, und 35 Grad im Schatten.

Ich spüle aber den Film ein wenig zurück.

Erstmal kam Berlin, kalt, regnerisch, freundlich auf einer Art, die nur Berlinliebende nachvollziehen können. Ich habe mir einen ganzen Tag frei genommen, um durch Prenzlauer Berg, mein altes Zuhause, spazieren zu gehen. Der Helmholtzplatz, das Ludmila Café in der Sredzkistrasse, die freundlichen Alkoholiker die den freundlichen Kiffern beim Tisch-Tennisspiel zusehen, müde, glückliche Mütter mit schicken Kinderwaggons, und ein Duft von Freiheit, echter Freiheit, Berliner Freiheit, halt.

Meine Band und ich haben vier Konzerte in drei Tagen gegeben. Wir hatten die Ehre im "Café Burger" zu spielen, Quelle von guter Laune und feiner Musik in Berlin seit den 30gern, wir gaben ein Konzert in einem halb-legalen russischen Schuppen an der Spree, mit lauten "Daragoj" und "Nastarowia" Rufen, wir haben in einem anderen Club eine wahnsinnige 20ger Jahre Party erlebt, der absolute Höhepunkt war aber zweifelsohne am Samstag, den 8.5, im Babylonkino in Berlin-Mitte. Wir wurden kurzfristig bestellt wegen einer unerwarteten Absage. Und so sind wir am frühen Abend ins Kino gekommen, um auf einer Veranstaltung zu spielen mit dem Titel – "Linke Kinonacht – Tag der Befreiung". Aha.

Als wir in den großen Saal einmarschiert sind lief noch ein Film, nach dem wir hätten spielen sollen. Schwarzweiße Figuren von russischen Soldaten füllten die Leinwand. Mit hellem Schopf, ständig singend, sind sie durch Dörfer marschiert, wo wunderschöne, ebenfalls blonde Mädchen sie mit Blumen zugeworfen haben. Auf einmal – Schreck – ein deutscher Soldat. Einer der russischen Soldaten läuft ihm hinterher, der Deutsche versucht zu fliehen, ist aber durch seine eigene Angst verwirrt und bald stolpert er, und mit einem Blick voller Terror hebt er einen Arm um mögliche Schläge von seinem Gesicht abzuhalten. Der "Iwan" will ihn tatsächlich ein Paar Ohrfeigen geben, dann kommt aber sein Offizier – unverkennbar mit einem gigantischen Stern (der trotz der Schwarzweißversion rot zu schimmern schien) – hielt die Hand, die schlagen wollte, und sagte – "Nein, Kamerad. Wir machen so was nicht." In dem dunklen Kinosaal gab es vereinzelt Applaus, und ich dachte mir – ich bin selber in einem Film.

Der Auftritt war eigentlich gut, beim "Tum Balalaika" haben einige im Saal sogar mitgesummt, und nach spannenden 45 Minuten nahmen wir Abschied von den jungen Kommunisten und den alten SED…. Oh, sorry, Linke-Funktionären, und sind auf das nächste Konzert gegangen. Es lebe Berlin!

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Ein guter Freund der sein Leben zwischen Berlin und München teilt war so freundlich, um seine Pläne so zu gestalten sodass er mich am Sonntag von Berlin nach Nürnberg mitnehmen konnte. Und so bin ich Sonntagabend in meine alte WG in Nürnberg-Johannes reinspaziert. Ach, Nürnberg, mein geliebtes Nürnberg. Die alten Sandsteinwände, das quietschende alte Eingangstür, und die rrrrrrrrollenden Grrrrrrrrrrüße der Frrrrreude - meine alten Mitbewohner - die mir sofort das Gefühl gegeben haben, dass ich Zuhause bin. Und bald saßen wir alle am Küchentisch, und haben über dieses und jenes geplaudert, und ich dachte mir, genau an diesem Tisch saß ich als ich mich für das Studium in Jerusalem beworben habe, oder als ich die Einladung bekommen habe, die Stelle an der israelischen Oper anzutreten. War das echt erst im letzten Frühling?

Aber es sind ja nicht nur meine lieben Mitbewohner, die mir das Zuhausegefühl in Nürnberg geben. Es gibt ja eine Gruppe von Menschen, die sich aus ganz Deutschland (und Holland! Hab die…!) in Nürnberg versammelt haben um gute Musik zu machen und gute Laune zu verbreiten, die verrückt und lieb und laut und lustig sind, die die versautesten Witze reißen (tut mir Leid, ich kann keine Beispiele geben, es ist ja eine öffentliche Internetseite), die es verdient haben, eine eigene nach ihnen benannte Liebe- und Freundschaftsklausel in dem TVK (Tarifvertrag der deutschen Kulturorchester) zu bekommen – ich rede natürlich von der Horngruppe der Nürnberger Philharmoniker. Die Woche, die wir gemeinsam verbracht haben war wahrlich zauberhaft. Wie sehr habe ich es vermisst, meinen Frack anzuziehen und gemeinsam mit diesen mir so teueren Menschen auf die Bühne der Meistersingerhalle aufzutreten. Normalerweise nenne ich bei diesem Blog keine Namen, und normalerweise versuche ich meine unerträgliche südländische Emotionalität unter Kontrolle zu halten, aber – Michael, Stefan, David, Miriam, Steff und Uli, und natürlich auch Frank und Harald – ich habe Euch echt lieb. Und was für ein Hornfest haben wir da gefeiert! Die Alpensinfonie von Strauss, das vierte Hornkonzert von Mozart, und die Kammersinfonie von Schönberg – jedes Hornherz würde aus Freude fast aus der Brust springen bei einem solchen Programm.

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Die Tel Aviver Luft ist feucht und schwer, und ich sitze auf meinem Balkon, esse Wassermelone, und lese das, was ich bis jetzt geschrieben habe.

Oft schreibe ich in diesem Blog über den hohen Preis des Exils, über den Preis den man zahlt wenn man zwei "Zuhause" hat. Aber beim Lesen dieses Texts, verstehe ich wie bereichernd es ist, wie wunderschön es sein kann, mich in Deutschland und in Israel, in Berlin, Jerusalem, Nürnberg und Tel Aviv zuhause zu fühlen. Eigentlich, liebe Freunde, bin ich ein glücklicher Mensch.

Liebste Grüße an Euch alle,

Euer Ofer

Dienstag, 27. April 2010

Israelisches Tagebuch 27

Ich wurde darum gebeten, im Zusammenhang mit diesem Blog über mein Leben zu schreiben. Ich gebe zu, es fühlt sich ein wenig komisch an. Ich habe einen Versuch unternommen, es kam aber dabei einen Lebenslauf heraus der stark an eine Jobbewerbung erinnert, was sicherlich nicht gemeint war. Ich versuche es noch ein Mal, aber jetzt – wie man so schön sagt – I do it my way.

Ich wurde in Jerusalem geboren – und bin, trotz meiner Liebe zu fernen deutschen Städten ein Kind Jerusalems geblieben. Es ist aber ein Jerusalem das nichts mit dem hier und jetzt zu tun hat, sondern ehr ein seelischer Ort, ein Gemütszustand, der sich weniger durch geographische Platzierung beschreiben lässt, viel mehr aber durch Gerüche und Farben, durch Menschen die in dieser Stadt die Nähe zu Gott suchen, und durch das goldene Licht das Jerusalem jeden Abend für eine Stunde wahrlich königlich aussehen lässt.

In der Nachbarschaft meiner Kindheit, "Najot", herrschte jeden Mittag zwischen zwei und vier absolute Stille. Und weh dem Kind das es wagte, draußen auf der Strasse mit einem Ball zu spielen. Sobald so was geschah, ertönte aus einem der Fenster dies eine Wort, das zu dem ersten Baustein meines deutschen Wortschatzes geworden ist. "Schlafstunde!!!"

Und so kann man diese Nachbarschaft beschreiben – eine kleine deutschsprachige Insel mitten im staubigen Jerusalem, die (so wie das Nah liegende Kloster, das ich in einem meiner Beiträge beschrieben habe) mit anderen Orten und Zeiten kommunizierte als mit ihrer direkten Umgebung. Irdische Angelegenheiten wie Krieg (allein in meiner Kindheit gab es drei davon) oder Politik waren den älteren Bewohnern nicht würdig. Begin, Rabin und Sadat? Heine, Goethe und Beethoven!

Die meisten Kinder die mit mir dort aufgewachsen sind haben es geschafft, sich von diesem inneren Exil zu lösen. Der europäische Zauber wohnte in dunklen Gedächtnisecken von Opas und Omas mit einem fürchterlichen Akzent, Ecken, die man gut von der prallen israelischen Sonne behüten musste. Genau aber diese Sonne bevorzugten meine Altergenossen, und so kam es dass während sie draußen Fußball spielten, saß ich zuhause und redete während meiner Übepausen mit den alten Nachbarn, oder viel besser, mit meiner Oma (Die, oh die Schande, aus Jeroslaw kam. "Vielleicht doch aus Königsberg?" versuchte mein Vater was Deutsches aus ihr zu retten als meine Eltern sich kennen lernten). Ihren Geschichten werde ich aber mindestens einen Extra-Beitrag widmen müssen.

Wie viele Kinder aus der Gegend wurde auch ich zum elitären Universitätsgymnasium geschickt. Dort waren die Lehrer sehr verständnisvoll als ich nach langen Konzerten mit dem jungen israelischen philharmonischen Orchester im Klassunterricht eingeschlafen bin. Diese erstklassigen Erziehern, mit denen ich von Gott gesegnet wurde, versuchten uns Kindern stets die Botschaft zu geben – das wichtige im Leben sei nicht Geld oder Militär, sondern viel mehr freies Denken und Menschenliebe. Da zu dieser Zeit in Israel die ersteren herrschten, kam es dass der Löwenanteil meines Jahrgangs unseren Lehrern Recht gab und direkt nach dem Militärdienst das Land verlassen hat.

Die meisten, die sich in Princeton und Stanford oder Indien und Südamerika wieder fanden, suchten nach "neuer Luft", nach einer Atempause von der ermüdenden israelischen Realität. Ich aber suchte nach alter Luft, nach genau den Geschichten der Alten, und als ich die Einladung nach Berlin bekam, war die einzige Frage – wie schnell kann ich dorthin umziehen.

Was ab dann geschah, bleibt dem nächsten Beitrag erhalten. Ich muss jetzt leider los, zur Uni.

An Euch alle einen lieben Gruß,

Euer Ofer

p.s. das mit dem Kommentarenhinterlassen war ernst gemeint…

Samstag, 24. April 2010

Israelisches Tagebuch 26

Ein Kollege aus Nürnberg hat mir mal gesagt, als wir über unseren Beruf geredet haben, die deutschen Berufsmusiker seien "wie die Bergbauer, eine Berufsgruppe die sich seit hundert Jahren nicht verändert hat." Recht hat er. Ich kann es zwar schwer beschreiben, aber wenn man in einem deutschen Orchester spielt, und die Außenwelt anschaut – eine Welt die immer höher, schneller, größer, teuerer sein will – merkt man mit welcher Gemütlichkeit man seinen Beruf ausübt. Die gleichen Witze die die Musiker der Krolloper in Berlin zum Lachen gebracht haben, lassen auch heute junge Musiker in der deutschen Oper grinsen. (Ein Beispiel – was ist ein Kollege? Jemand der das gleiche Instrument spielt, nur ein wenig schlechter.) Man trägt, wie damals, einen Frack, und trinkt Molle und Korn nach einer guten (oder viel Molle und Korn nach einer schlechten) Vorstellung. Man spuckt sein "Toi toi toi" über die Schulter, der Dirigent heißt Kapellmeister, und die älteren Kollegen erzählen von ihren Lehrern die mit Menschen wie Mahler, Strauss oder Schönberg gespielt haben.

Das ist wahrscheinlich der Ort, an dem die Kollision zwischen meiner alten Realität und der jetzigen am stärksten zu spüren ist. An der neuen israelischen Oper, Da-Vinci Strasse, Tel Aviv. Ich möchte nicht arrogant vorkommen, für mich aber ist die Kombination "Oper" und "Israel" schwer zu verdauen. "Oper" ist Deutschland, ist ein Wald aus Bierflaschen nach einer langen Vorstellung von "der Fliegende Holländer", ist Lackschuhe und Rennen durch alte Gänge, in einer Hand die Bühnenmusiknoten von "Tannhäuser", in der anderen den Frackschwanz. "Israel" ist laute Menschen, ist Verkehrsdschungel, ist Hummus auf dem Strand von Tel Aviv, oder die in sich verschlingenden Strassen der Jerusalemer Altstadt. Was soll also eine "israelische Oper" sein? Wie geht so was? Habt Ihr mal versucht, Molle und Korn in 35 Grad zu trinken?

Wäre das eine Filmszene gewesen, würde man sie als "traurig-süß" beschreiben, als naiv. Ich meine mich – wie ich im Orchestergraben sitze und versuche, um mich die Realität zu schaffen die ich aus Nürnberg oder Berlin kenne. Ich klopfe leise auf meine Schenkel wenn ein Kollege schön spielt, ich schreibe "V.S." auf die Noten (bis heute weiß ich nicht, was das heißt) wenn man das Blatt schnell wenden muss, ich unterschreibe die letzte Seite dieser Noten, und möchte die Hand des Kollegen, der neben mir gespielt hat, feierlich schütteln bevor man den Graben verlässt. Dieser Kollege aber, in Israel, hat mich mit großen Augen angeschaut als ich ihm zum ersten Mal meine Hand ausgestreckt habe. "Wie jetzt, gehst Du schon?" hat er gefragt. Traurig-süß.

Und wenn ich in wenigen Wochen in der Meistersingerhalle in Nürnberg meine Fliege vor dem Spiegel zurecht rücken werde, um dann mein Horn zu nehmen und mit meinen guten Freunden die "Alpensinfonie" zu spielen, wird es sich ein wenig wie Heimkehren fühlen.

Ich drücke Euch alle,

Euer Ofer

p.s. ich habe jetzt endlich die Funktion entdeckt die es Euch ermöglicht Kommentare zu hinterlassen. Es gilt auch für die älteren Beiträge. Ich würde mich sehr freuen, sie zu bekommen!

Samstag, 17. April 2010

Israelisches Tagebuch 25

Diese Woche kann man als die ultimative israelische Nationalwoche beschreiben. Innerhalb von acht Tagen erlebt die israelische Kollektivseele eine turbulente Reise, vom Gedenktag für die Opfer des Holocausts, durch den Gedenktag für die gefallenen Soldaten, hindurch zu dem Unabhängigkeitstag.

Es ist schon etwas länger her, seitdem ich das letzte Mal diese emotionale Achterbahn Israels mitgemacht habe. In Deutschland gibt es wenig Verlangen danach, sich gemeinsam zu erinnern wieso man in diesem Land lebt und was alles passieren musste sodass man hier ist. Man ist einfach da, es ist eine Tatsache der Natur, Deutschland gehörte ja den Deutschen, oder ihren Vorfahren, seit den Tagen an denen sie (die Vorfahren) Mammuts hinterher gelaufen sind. Ihr habt ja keinen 2000 jährigen Spaziergang durch die Welt gemacht, oder wie Moritz Bleibtreu es fabelhaft formuliert hat, als er von Lucas Gregorowicz in dem Film "Lammbock" gefragt wird, ob er nie Angst hat dass er hier nie wegkommt. "Wieso? Ist doch schön hier!". Hätte er das den Juden um 72 A.D. gesagt, hätten wir einige Probleme weniger gehabt.

Am letzten Montag, also am Holocaustgedenktag, stand ich in der Küche und habe den Abwasch gemacht. Das Fenster stand offen, und ich genoss die kühle Brise während ich Hummus-Überreste von den Tellern abwischte. Auf einmal hörte ich eine Sirene. Ich meine keine Polizeisirene, sondern eine echte, bluteinfrierende Kriegssirene. Ich war in meinen Gedanken zu meiner Kindheit, zu den Tagen des Golfkriegs als die irakischen Raketen uns auf den Kopf geflogen sind, zurückgekehrt. (Übrigens, darüber könnte man auch mal was schreiben – über das Klanggedächtnis. Ich saß einmal mit zwei Kollegen des Berliner Rundfunk Sinfonie Orchesters auf unser Konzert wartend, im Hotel in Prag. Auf einmal hörten wir aus der Stadt den Klang einer Explosion. Meine Kollegen, beide Ossis, sagten einstimmig "der Russe kommt". Ich dachte natürlich sofort an ein Selbstmordattentat.) Jedenfalls, nach wenigen Sekunden habe ich mich wieder besinnt – es war die Sirene zu den zwei Schweigeminuten, die man jedes Jahr den Opfern des Holocaust widmet. Das ganze Land steht still – die Autos bleiben mitten auf der Strasse stehen, im Radio und im Fernseher kommt auch nur diese Sirene, und das einzige was man dazu hört ist das Bellen der verwirrten Hunde und Eltern, die ihren Kindern erklären – "jetzt nicht reden, nicht lachen, jetzt muss man traurig sein."

Ihr fragt Euch vielleicht, wieso der Holocaustgedenktag bei uns so spät kommt. In Deutschland, wie übrigens in der ganzen Welt, gedenkt man den Opfern am Tag der Befreiung von Auschwitz, in Januar. Die israelische Regierung in den ersten Jahren brauchte aber eine andere Botschaft als "Die Russen haben uns hilflosen gerettet, die Hölle war vorbei." Also nahm man den Jahrestag des Aufstands des Warschauer Ghettos. Wie sehr wollte man in den ersten Jahren nach der Shoa Anzeichen von jüdischem Widerstand finden, den jungen Israelis zeigen – schaut, auch in den dunkelsten Stunden des jüdischen Volkes, gegen die unbesiegbare deutsche Macht, hat man gekämpft, ist man nicht wie Lämmer zum Schlachthaus gegangen. Es ist auch kein Zufall, dass dieser Gedenktag eine Woche vor dem Unabhängigkeitstag Israels platziert wurde. Für viele Menschen, Juden und Nicht-Juden, ist Israel die Antwort auf den Holocaust. Ich muss sagen, für mich ist aber die Shoa keine Frage.

Gestern haben wir an der Oper die dritte Vorstellung von der "Jüdin" gespielt. Ich stand draußen, um ein wenig Wärme von der Sonne zu bekommen. Neben mir stand ein Chorsänger, angekleidet wie ein Kardinal. Wir haben ein wenig über die Gedenktage und über Politik geredet, und wie alles in Israel so furchtbar kompliziert ist. "Zumindest ist diese Oper einfach", sagte er. "Juden gegen Christen, Christen gegen Juden, und ein verrückter Kapellmeister gegen alle." Er grinste mich an, drückte seine Zigarette aus, und ging zurück ins Theater.

Euch allen ein schönen Wochenende,

Euer Ofer

Samstag, 10. April 2010

Israelisches Tagebuch 24

Liebe Freunde,

Das Pesach-Fest ist vorbei. Gott hat für uns wieder das Meer in zwei geteilt, Moses hat Pharao gezeigt wer hier das Sagen hat, und meine Mutter, die sonst nie Wein trinkt, genoss den süßen Pesachwein und sang jiddische Lieder bis spät in die Nacht. An der Oper spielen wir grade "Die Jüdin" von Halevi mit einer phantastischen Besetzung, und an der Uni studiere ich über die Polnisierung von Ostpreußen. Soweit die Schlagzeilen.

Ich hatte das große Glück, eine Familie eines guten Freundes aus Nürnberg zugast bei mir, also bei uns, zu haben. Mein Freund, ein ehemaliger Kollege von mir, bat mich darum einen Plan zu schmieden um das ganze Land in einer Woche zu sehen. Ich glaube, um Israel richtig kennen zu lernen braucht man ein Jahr, aber ich habe mein bestes gegeben, und glaube, eine anständige Woche auf die Beine gestellt zu haben.

Ich erspare Euch den genauen Weg, Ihr könnt Euch aber schon ausdenken dass Jesus ein ziemlicher Star dabei war- Ich wollte Euch aber von einem Moment berichten der mich zum Nachdenken brachte.

Nachdem wir den Ort besucht haben, an dem Jesus getauft wurde, sind wir durch das Jordan Tal gen Jerusalem gefahren. Die Landschaft in diesen Gegenden ist zauberhaft – dieses Tal liegt im Herzen des Syrisch-afrikanischen Bruchs, und führt vom See Genezareth zum Toten Meer. Die Strasse, "Kvish-Habikaa", die entlang des Jordan-Flusses, also entlang der Grenze zwischen Israel und Jordan (oder besser gesagt, das Haschimitische Jordanische Königreich) gebaut wurde, kenne ich gut aus meiner Kindheit, als wir meinen Papa (und danach, meinen Bruder) der dort seinen Reservistendiesnt leistete besucht haben. Rechts und links von ihr ragen die Berge von Judäa und Moav, und je südlicher man fährt, wird die Landschaft wüstenartiger und trockener. Ungefähr auf ein drittel Strecke zwischen den Meeren sieht man plötzlich ein Häuschen mit ein Paar Soldaten, ein Unofahrzeug, zwei staubige Flaggen, und ein Schild mit der Aufschrift, "Langsam fahren, Strassenbarriere". Wir fuhren daran vorbei, nachdem wir das internationale Gesetz hinter uns gelassen haben, und hoppla – wir waren im Westjordanland. Anderthalb Stunden später, Taten wir das gleiche, nur umgekehrt – wir fuhren aus den Besetzten Gebieten ins Jerusalemer, also israelische Gebiet, durch einen ähnlichen Checkpoint. Ich ahnte schon dass es interessant wird, als ich ein stilles Stöhnen aus der Richtung der Rückbank hörte. Es war die ältere Tochter, und sie hatte anscheinend eine Frage. "Ofer, was war das grade?"
"Ein Checkpoint."
"Wie eine Grenzkontrolle?"
"Nein, ähhh…. Noch nicht, aber doch irgendwie."
"Also wie jetzt?"
"Na ja, das ist die Grenze zwischen den Besetzten Gebieten und Israel."
"Aber wir wurden nicht angehalten und mussten unsere Pässe nicht zeigen. Ist das nicht komisch?"
"Ja ja, sehr komisch", (da fing ich an zu schwitzen. Ich ahnte böses.) "Wir dürfen durch diese Grenze auch ohne Pass fahren."
"Dürfen es nicht alle?"
Da habt Ihr es. Ich erspare Euch die Klischees über Kinder, aber das ist nun mal ein echtes Paradebeispiel. Wie soll meine nächste Antwort aussehen? Liebes Mädchen, alle dürfen hier passieren, nur Araber aus den besetzten Gebieten nicht? Sie haben uns nicht kontrolliert weil wir ein israelisches Kennzeichen haben und helle Haut? Es gab eine Zeit, in der böse Menschen aus diesen Gegenden hier unsere Busse, Cafés, Restaurants in die Luft gejagt haben?

Ich habe dem Mädchen die kurze Variante der Wahrheit erzählt, und habe einfach gesagt, "Nein, nicht alle dürfen hier durch. Wir aber schon. Habt Ihr Hunger?"

Man redet immer darüber, wie oberflächlich die Kinder unserer Zeit sind, wie verwöhnt und frech. Ich glaube aber, in Punkto Gerechtigkeit ist ihr innerer Kompass richtig gerichtet, oder zumindest besser als der einiger Erwachsenen.

Ich wünsche Euch allen ein ruhiges Wochenende,

Euer Ofer

Sonntag, 28. März 2010

Israelisches Tagebuch 23

Das Pesach-Fest kommt, und gleich danach Ostern. Es ist die Zeit wo man beisammen sitzt, und seine Familie und Freunde genießt. Ich wollte Euch allen das allerbeste Wünschen, den Juden unter Euch eine angenehme Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, den Christen eine fröhliche Auferstehung, und dem Rest – Mahlzeit.

Es war eigentlich ein guter israelischer Freund der fließend Deutsch kann der mich fragte, wieso ich seit längerer Zeit keine neuen Beiträge mehr schreibe. Natürlich habe ich erstmal die alten Ausreden zusammengesammelt – die Uni nimmt viel Zeit in Anspruch, an der Oper haben wir zur Zeit fast jeden Abend eine Vorstellung, und der Prozess, mich in Israel einzuleben, ist noch im vollen Gange was auch seine Zeit und Kraft beansprucht.

Es gibt aber auch andere Gründe. An sich gibt es ja immer ein wenig Zeit um ein Paar Worte zu schreiben. Ich sitze ja eh jeden Tag Stunden lang vor dem Computer, es sollte also kein größeres Problem sein, einige Sätze nach Deutschland zu schicken, zumindest als Lebenszeichen. Vor einigen Tagen habe ich was geschrieben, habe mich aber nicht getraut es zu schicken. Zu schwer, zu traurig waren die Worte. Trotzdem finde ich es wichtig, auch die Schattenseiten meiner alt-neuen Heimat zu zeigen. Ich füge diesen Beitrag hier ein.


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Es ist spät, Tel Aviv ist ungewöhnlich still, Gili schläft schon, und ich vermisse es, Euch ein Paar Worte zu schreiben. Die Luft ist trocken, wie gebacken. Heute waren es über 30 Grad, und eine Wolke aus Staub hat die Stadt bedeckt. Die Luft lies sich schwer einatmen, man konnte den Staub in dem Mund spüren, alles war gelb-grau, und heiß. Passt irgendwie zu dieser Zeit. Ach Freunde, es ist nicht einfach zurzeit ein Israeli zu sein. An die Idee, dass man auf einem Schießpulverfass sitzt hat man sich ja schon gewöhnt. Es sind diese Pyromanen die jetzt durch mein Land laufen die mir Angst machen. Ich weiß nicht wie oft Ihr über Israel was hört in letzter Zeit, hier ist aber die Hölle los.

Vor einigen Tagen saß ich in einem Großraum Taxi von Jerusalem nach Tel Aviv. Ich hatte gerade eine Vorlesung besucht über Menschenrechte in der deutschen und in der europäischen Justiz, vorgetragen von einem Dozenten aus München. Er erzählte uns von einem "natürlichen Gesetz", aus dem die heutigen Menschenrechte in der EU sich ergeben. Es geht um Gleichheit, um das Recht auf Leben. Neben mir in dem Taxt sitzt ein älterer Araber, Palästinenser mit einem israelischen Pass (ein so genannter "arabischer Israeli"), der ein wenig Hebräisch konnte. Er bat mich um Wasser, und als er austrank, fing er an zu reden. Er redete ununterbrochen vom zentralen Busbahnhof in Jerusalem bis zu der Kreuzung, kurz vor Tel Aviv, wo er ausstieg. "Inta Ibn Ibrahim, wa ana Iben Ibrahim" hat er gesagt. Du bist der Sohn Abrahams und ich bin der Sohn Abrahams. "Wir sind Brüder", so hat er gesagt. "Wenn Brüder sich streiten, ist ihr Streit heftiger, als ein Streit zwischen zwei Fremden. Man hat vergessen, den geraden Weg zu nehmen. Wer ihn nimmt, bekommt die Gnade Gottes zu spüren. So steht es im ersten Kapitel des heiligen Korans. Wenn wir also alle, Israelis wie Araber den geraden Weg nehmen würden, werden wir die Gnade Gottes spüren". Er hält seine linke Hand offen, und lässt die rechte darauf gleiten, wobei seine harte Arbeiterhaut einen Klang wie vom Sandpapier macht. "Den geraden Weg."

Als ich mich von ihm verabschiedete, mit dem traditionalen "Maa Salaam" (Arabisch - Frieden sei mit Dir) habe ich mir die letzte Woche vor die Augen laufen lassen. Die ganze Woche hat Jerusalem gebrannt – eine Gruppe von jüdischen Siedlern hat mit einer Gerichtsentscheidung in der Hand einige palästinensische Familien aus ihren Häusern getrieben, im östlichen (also, arabischen) Teil Jerusalems. Daraufhin gab es heftige Proteste von arabischen Jugendlichen, und von sämtlichen Friedensbewegungen aus Israel und dem Ausland. Am Samstag gab es eine Demonstration in der Nähe dieser Häuser. Ich war da – es kam mir wie eine Pflicht vor – und sah die Roten Fahnen, daneben die israelischen Fahnen, die palästinensischen, die der deutschen "Antifa", und viele anderen. Die Redner redeten vom "Kampf", von der "faschistischen" Polizei, von der blinden Regierung. Auf einem Hügel über dem Platz wo die Demo stattfand, stand eine Gruppe jünger Orthodoxen, und hat uns die üblichsten Beleidigungen entgegen geschleudert. Vor allem ein Wort, "Verräter", kommt mir nicht mehr aus dem Kopf.

Einige Tage später, als der amerikanische Vizepräsident Joe Biden zu Besuch war um dem Friedensprozess einen Schubs zu geben, erklärte die israelische Regierung dass sie es beabsichtigt 1600 Wohnungen zu bauen, und zwar auf einem Gebiet, das laut dem internationalen Gesetz außerhalb von dem israelischen Gebiet liegt. Also bei den Palästinensern. Diese Entscheidung löste eine Welle der Empörung aus, und seitdem beschimpft uns die ganze Welt.

Israeli zu sein fühlt sich zurzeit an wie das Wetter von Tel Aviv. Heiß, staubig, ohne Sicht und ohne Luft. Es sind traurige Tage, meine Freunde. Man hört die Stimmen aus Washington, man hört was Obama sagt, weiß dass es das richtige ist, und doch weiß man gleichzeitig dass das Land, in dem ich wohne, von Irrsinnigen geführt wird, denen ein Stück Land und ein Haufen Steine wichtiger sind als Menschenleben. Auch die Linkenbewegungen, sobald sie vom "Kampf" und "Krieg" reden, werden mir unheimlich. Irgendwie haben alle Menschen in dieser Region eine unaufhaltsame Lust aufs Kämpfen.

Ich weiß noch wie ich in Berlin und Nürnberg arabische Freunde hatte, mit denen ich gerne lange Stunden verbracht habe. Auf dem Nürnberger Hauptmarkt zum Beispiel lernte ich einen Exil-Iraker kennen. Als ich für die legendäre Horngruppe des Nürnberger Staatstheaters eingekauft habe, um ihnen ein israelisches Essen zu kochen, bin ich auf seinen Stand gestoßen. Ich habe eine riesige Bestellung gemacht, und irgendwie, während wir miteinander geredet haben, ist mir ein arabisches Wort ausgerutscht. "Tichki Arabi?" fragte er mich – redest Du arabisch? "Ajwa, sarir srireen" sagte ich ihm. Ja, aber ganz wenig. Von da an sind wir Freunde Geworden – ich habe ihm jedes Mal auf dem Weg in die Oper besucht, und er hat mir die besten Datteln ausgesucht und mit Stolz gesagt, "hier, nimm, sie kommen aus Deiner Heimat." Ich weiß, viele die diese Worte lesen werden sagen, ich sei kindisch und naiv, mir ist das aber Wurst. Ein guter israelischer Freunde sagte, als ich ihm diese Geschichte erzählt habe, "er ist Araber, und nur weil Ihr in Deutschland wart konntet Ihr miteinander reden. Sobald es in Israel gewesen wäre, hätte er Angst vor Dir – und Du vor ihm." Recht hat er. Alle hier haben Angst. Man kann sie regelrecht in der Luft spüren, einatmen, zusammen mit diesem verdammten Staub.
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Liebe Freunde, trotz der Schwere will ich Euch noch ein Mal Alles Gute für das kommende Fest wünschen, ich hoffe, nächstes Jahr wird diese Zeit etwas glücklicher sein.

Ich umarme Euch,

Euer Ofer